Von der Information zur Applikation
Das missachtete Kundenlösungs-Gebot und die überfällige Softwareservice-Revolution
Seit ein paar Jahren ist es in aller Munde, das Kürzel 1:1. Es thematisiert genau das, was Verleger nie wollten: Individualisierung. Denn die Medienbranche lebte jahrzehntelang von der Uniformierung, d.h. möglichst viele Zielgruppen – im Idealfall alle – zusammenzusammeln und dieser heterogenen Masse ein homogenes Angebot zu bieten. Lesen Sie, warum für diese Verleger webbasierte Kundenlösungen die reinste Revolution sind.
Triebkraft dabei war die Hochauflage, Basis für dieses Denken war die Kostendegression: viel auflegen heißt wenig Druckkosten, heißt hoher Gewinn. Dass die Gleichung im Internetzeitalter nicht mehr stimmt, liegt auf der Hand. Was Sie vielleicht nicht wissen: sie stimmte noch nie so recht. Denn Uniformität ist das Gegenteil von Qualität, jedem das Gleiche heißt keinem das Rechte. Spezialisierung heißt Qualität, weil hier die spezifischen Bedürfnisse der Maßstab sind und nicht der kleinste gemeinsame Massennenner. Vielen Verlagen fällt es auf diesem Hintergrund erst recht schwer, in 1:1 Kategorien zu denken. Denn 1:1 ist weder Masse noch Zielgruppe, 1:1 ist weniger als wenige, nämlich Losgröße 1. Eigentlich der Extremhorror der Verleger. Kann ausgerechnet er zum Rettungsanker für die Branche werden? Nun, das ist natürlich etwas übertrieben, aber die individuellen Serviceleistungen werden in der Tat zu einem wesentlichen Angebotsteil der Branche werden. Damit sind natürlich nicht Gratisleistungen zur Kundenbindung gemeint, wir sprechen über paid service, also entgeltliche 1:1 Dienstleistung ! Die könnte in persönlicher Beratung oder Serviceleistung erfolgen, also face to face. Aber das ist nun tatsächlich nicht unsere Branche, sondern die der freiberuflichen Steuer-, Rechts- und Wirtschaftsberater; und die Verlage, die sich den „Beratungsjournalismus“ ausgedacht haben, bieten seriöserweise Zielgruppen-Nutzwert, aber eben nicht Individualberatung. Doch es gibt ihn natürlich, den 1:1 Service, nur eben automatisiert. Customized heißt das neue Zauberwort, also eine vorgefertigte Leistung, die sich dem Klienten beim Gebrauch anpasst.
Formulare als Organisationsmittel
Was sich dahinter verbirgt, ist etwas Uraltes. Bereits vor hundert Jahren gab es Organisationsmittel, die in der Hand des Nutzers eine individuelle Lösung ermöglichten. Sie hießen Formulare. Ich selbst bin durchaus ein wenig stolz, in meinem Berufsleben hunderte von Formularen konzipiert und vermarktet zu haben, von Steuer- und Personalvorgängen bis zu Prüf- und Abnahmestandards. Die Standardisierung einer Arbeitsroutine mit individuellem Resultat – darin besteht nämlich das Wesen eines Formulars. Es ist also weit mehr als bloße Information, es ist eine Organisationsleistung. Und dadurch, dass jeder Nutzer anders ausfüllt, ist es individuell und führt zu einem höchstpersönlichen Ergebnis. Exakt das ist heute natürlich Aufgabe der Anwendungssoftware – also einer Leistungsgattung, die Verleger kaum jemals wirklich als die ihre betrachtet haben. Ich könnte Ihnen hier über persönliche Erfahrungen mit dem Streitobjekt Software bereits in den 1980ern erzählen. Die Positionen sind klar verteilt, je nachdem ob Sie vom Kunden oder vom Produkt ausgehen. Für mich zählt die Andersartigkeit des Produktes Software im Zweifel weniger als die Erwartungshaltung der Kunden. Wenn diese z.B. einem Hausverwaltungsverlag Fachkompetenz zuerkennen und obendrein dort bereits ihre Formulare eingekauft haben, dann ist es blanker Selbstmord, ihnen kein Betriebskosten-Abrechnungsprogramm zu liefern, nur weil es sich jetzt um die Produktgattung Software handelt. Da können Sie sich gleich auch selbst vorsätzlich aus dem Markt schießen. Dazu kommt noch, dass die Softwareleistung digital erbracht und online geliefert werden kann, was kleine Stückzahlen ermöglicht und Versandkosten spart. Man muss schon mit Blindheit geschlagen sein, um diese Vorteile nicht zu erkennen. Genau das war jedoch bis in die letzten Jahre hinein bei den meisten Verlagen der Fall, mit Ausnahme einiger weniger wie z.B. Haufe in Freiburg. So konnten Softwarefirmen, die nicht die geringste Ahnung von den Kundenbedürfnissen, Branchenroutinen und Fachinhalten hatten, unsere Fachmärkte erobern. Das ist etwa so, wie wenn sich ein erfahrener Bergführer durch einen Prüfingenieur ersetzen lässt, nur weil der letztere ein Höhenmessgerät bedienen kann. Wir müssen doch immer neue Technologien anbieten, wir brauchen diese ja gar nicht selbst herzustellen, wir drucken unsere Bücher ja auch nicht, nicht mal in der „Verlagsdruckerei“ !
Prozessanalyse – ein alter Hut ?
Sie merken, liebe Leser, ich spreche vor allem von Fachsoftware, weniger von Publikumssoftware. Der breite Markt der traditionellen Standardsoftware ist sicher längst vergeben, aber selbst dort hat sich durch die Öffnung der großen Plattformen vom I-Phone bis zu Facebook längst ein neuer Markt für webbasierte Applikationen gebildet. Doch wie auch bei der Information sind bei der Organisation die General Interest Markets weit mehr gratisanfällig als die Professional Interest Markets. Hochprofessionelle 1:1 Solutions – das ist unser Metier, die ureigenste Kompetenz der Fachverlage, wenn – ja wenn wir uns denn für die Vorgänge beim Kunden interessieren. Prozesskenntnis, das ist hier die Frage, und Hand auf’s Herz: Hat Sie das jemals wirklich interessiert ? Hätten Sie z.B. Formulare konzipiert, dann wüssten Sie längst, dass das ohne eine intime Kenntnis der Kundensituation gar nicht geht. Analyse der Fachprozesse, so heißt also das Gebot der Stunde, spätestens jetzt sollten Sie also mit der Analyse der Kundenabläufe beginnen. Ich frage ja seit ca. drei Jahrzehnten in den Verlagen, ob sie sich als kundenorientiert betrachten. Die Antwort lautet immer: „Ja, eigentlich schon.“ Die Wahrheit ist aber immer: Nein, nicht wirklich. Erst das Online-Zeitalter mit seinen fantastischen Mitwirkungsmöglichkeiten der „Prosumenten“ hat manchem die Augen geöffnet: wir fangen jetzt überhaupt erst an mit der Integration der Kundenorientierung. Gut so, auch wenn die Analyse der Zielgruppenmerkmale, Kundenprozesse, Befindlichkeiten, Bedürfnisse und Interessen vor der Onlineära genauso wichtig war wie heute. Das ist übrigens der Grund, warum z.B. für mich vieles, was für andere revolutionär erscheint, von der Grundidee her ein alter Hut ist. Und wie geht es Ihnen ?
Lösungen aus dem Blumenladen
Ein Blumenladen verkauft Blumen. Denken Sie. Aber das greift viel zu kurz, das ist altes Produktdenken. Eine moderne Floristin ist natürlich Profi mit ihrem botanischen Wissen. Doch sie befasst sich vor allem mit den Kundenfragen: Was wollen sie, warum kaufen sie, was schätzen sie, wozu kaufen sie, warum bleiben sie etc. Das hat mehr mit den Tages- und Jahresabläufen der Menschen zu tun als mit dem Wachstum der Pflanzen. Die Floristin (es gibt auch Floristen …) wird sich also – wenn sie einen halbwegs kapitalstarken Kundenstamm hat – keinesfalls auf das Darbieten und Verkaufen von Blumen beschränken. Sie wird Gestecke binden, kreativ mit Holz, Stoff und Metall umgehen, Glückwunschkarten bereithalten, das Arrangement just in time ins Haus bringen, auf Wunsch sogar einen „singenden Blumenstrauß“ liefern – mit einem Wort: eine individuelle Gesamtlösung bieten, die dem Kunden alle Arbeit abnimmt. Was will der Kunde mehr als eine persönliche, exzellente und angenehme Leistung. Klar, dass dies etwas kostet, kein Mensch käme auf die Idee, das sei gratis. Das sind geldwerte Kundenlösungen. Und das geht nicht ohne genaue Kenntnis des Kundenwunsches, des Kaufaanlasses, der Zeitabläufe etc. Aber es sichert dem Laden vielleicht das Überleben, denn Billigblumen gibt’s beim Discounter zu unschlagbaren Preisen. Die Analogie zu den Internet-Gratisangeboten ist also gar nicht so hergeholt. Wir müssen mehr Wert bieten: Mehrwert, also das fertige Blumenarrangement !
Wenn das Muster zum Formblatt wird …
Was ist eigentlich, liebe Leser, der Unterschied zwischen Muster und Formblatt ? Wissen Sie es ? Die meisten wissen es nicht, das weiß ich von meinen Redaktionsseminaren, in denen ich die Nutzensorten bespreche und anwende. Kaum jemand kennt nämlich die so wichtigen Textsortengattung, nämlich das dritte N meines 3N-Modells: Neues, Nähe, Nutzen. Für Fachverlage ist es mit Abstand das wichtigste N, im Netz ist es die Basis für paid content – und trotzdem kann kaum einer zwischen Muster und Formblatt unterscheiden – und der klassische Textsortenkanon des Journalismus hat die ganze Nutzengattung gar nicht erst auf dem Schirm – ein Skandal, den niemand als solchen wahrnehmen möchte. Also, tragen wir hier kurz drei Dinge zusammen: Muster ist eine fertige Vorlage, die der Nutzer komplett als Lösung übernehmen kann – oder natürlich auch abändern. Riesenvorteil von Musterverträgen, -Reden, -Briefen etc. ist natürlich der fixfertige Lösungscharakter, Riesennachteil ist der Konfektionscharakter: Es ist keine individuelle, sondern nur eine generelle Lösung. Formblatt ist ein Ausfüllformular, das also gerade nicht fixfertig ist, sondern bearbeitungsbedürftig. Man kann es als Arbeitshilfe benutzen aber man kann es nicht fertig übernehmen, es ist also ein Werkzeug, keine Lösung. Ausfüllmuster ist ein Beispiel, wie ein Formblatt richtig verwendet werden kann. Es sind die kompletten Eintragungen vorhanden, der Nutzenvorteil liegt darin, dass jetzt eine plastische Vorstellung möglich ist, wie das aussehen kann. Natürlich lässt sich das Ausfüllmuster auch direkt übernehmen, was aber 1:1 kaum jemals Sinn macht. Nützlich können auch allgemeine Ausfüllhilfen sein, konkreter, aber auch spezieller ist natürlich ein Ausfüllmuster. Nun aber zum Knackpunkt für unser Servicegebot: Das Muster ist zwar eine wertvolle Hilfe, aber noch kein Service im Sinne einer 1:1 Dienstleistung. Muster ist generell, Formblatt ist individuell. Warum ? Weil das Formblatt im Moment des Ausfüllens von der Information zur Organisation wird, und damit von 1:m zu 1:1. Der Unterschied ist also – was kaum jemand so recht begriffen hat –ausgesprochen dramatisch: wir bieten dem Kunden ein 1:1 Werkzeug – das ist der Hammer, und zwar im wahrsten Sinne des Werkzeugs.
... und das Formblatt zum „E-Formular“ …
Wenn schon das Formblatt für uns Verleger der „Hammer“ ist, so könnte man das E-Formblatt wohl als „Megahammer“ bezeichnen. Denn Sie erinnern sich: Muster war generell, Formblatt ist individuell – soweit so gut. Aber individuell kann sehr mühsam sein. Bei einem Abrechnungsformular z.B. hat der Nutzer zwar die Abrechnungsmethode, die Abrechnungsmaske, die Abrechnungshilfe und das Abrechnungsmuster – also eine ganze Menge. Aber Abrechnungskomfort – den hat er nicht. Er muss mühsam alles selbst ausrechnen, nachrechnen, verifizieren, visualisieren. All das nimmt ihm eine kleine Software ab, die heute jeder Programmierer relativ rasch und günstig erstellen kann, weil es hier wiederum komfortable Werkzeuge gibt. Hier setzt der Gedanke des elektronischen Formulars an. Das kann viel: automatisch berechnen, Alternativen zulassen, das Ergebnis visualisieren. Der Nutzer gibt „nur“ noch ein, das Programm verarbeitet, der Computer leistet die Ausgabe nach den Wünschen des Nutzers. Wer z.B. schon einmal in seinem Leben eine Wärmebedarfsberechnung mit einer Energiekostenhochrechnung gemacht hat, der weiß, dass das ohne Software kaum zu leisten ist, schon gar nicht im Vergleich verschiedener Energieträger. Das E-Formular, das ich in der Übersicht in Anführungszeichen gesetzt habe, ist also beileibe nicht nur eine 1:1 Übernahme des Printformblatts. Das wäre eben gerade die 1:1 Falle, weil z.B. das Spielen mit den Alternativen ausgeblendet würde. Genau das ist aber der Witz der Anwendungssoftware: die hundert Parameter miteinander zu verknüpfen und so an den möglichen Stellschrauben gleichzeitig zu drehen. Das kann Print niemals leisten, das ist Software. Von Print zum Programm muss deshalb unsere Devise sein, wenn wir unseren Kunden bei ihren Problemen wirklich sinnvoll, effektiv und komfortabel helfen wollen. Es gibt nichts dümmeres, als hier über Grenzen der Informationsbranche zu diskutieren. Wenn wir es nicht machen, machen es eben andere. Die nennen wir dann Branchenfremde und bedenken sie mit dem Vorwurf des Landfriedensbruchs. Wie wenn unsere Märkte geschützt wären vor bösen Eindringlingen. Die Wahrheit lautet: Es sind unsere Mitbewerber, die ein wenig früher und besser verstanden haben, was unsere Kunden brauchen. Da können wir nur eines: lernen !
… und das E-Formular zur Web-Applikation !
Fassen wir zusammen: Das Muster wird also zum Formblatt, das Formblatt zum E-Formular – und das E-Formular zur WorkFlowSolution. Aus Information wird Organisation, aus Print wird Programm, aus 1:m wird 1:1, aus Kompliziertheit wird Komfort, aus Unterrichtung wird Unterstützung, aus Wissen wird ein Werkzeug, aus abstraktem Wissen also konkretes Handeln. Das ist für die meisten von uns eine glatte Revolution. Aber nicht für alle. Denn was ist eigentlich ein Medienangebot, was macht eigentlich ein Verleger, wie funktioniert eigentlich unsere Marktleistung ? Hier sollten Sie sich – spätestens jetzt – einmal mit der betriebswirtschaftlichen Güterlehre beschäftigen: welche Güter gibt’s denn überhaupt, und was davon macht unsere Branche ? Allerdings werden Sie dabei nicht weit kommen, auch wenn Sie ganze Bibliotheken von BWL-Literatur lesen. Da gibt es nämlich insoweit einen fast durchgehenden Konsens, und der heißt: Sachgüter und Dienstleistungen“. Nur ganz vereinzelt stoßen Sie auf die Gütertriade: „Infos, Dienste, Waren“. Für den 3x3 Anwender ist diese Dreiteilung völlig selbstverständlich, und ich selbst denke und handle in dieser Gütereinteilung seit Jahrzehnten. Generelle Infos das ist der Kopf-Level, individuelle Dienste – das ist der Herz-Level, und materielle Waren – das ist der Körper-Level. Es ist also total einfach: Drei große Gattungen von Gütern gibt’s entsprechend Hirn, Herz und Hand, das ist der Aufbau der I. Dimension, meine Verlagskunden kennen das in der Sprache geistiger Inhalt, kreative Gestaltung, physischer Träger. Diese drei Levels werden jetzt lediglich volkswirtschaftlich betrachtet und führen dort zu dem einfachen und klaren Ergebnis, dass es Güter gibt für Geist, Seele und Körper.
… und die Applikation zur Solution
Was übrigens bei der App bereits richtig erkannt ist, das wird bei ihrer „größeren Schwester“ zur Überlebenschance für Verlage. Bei den WorkFlowSolutions (WFS), den kundenprozess-sensiblen Komplettlösungen, besteht der Grundgedanke ja gerade darin, dem Kunden über die Information hinaus die Organisation seines (Arbeits-)Prozesses auf neue, bessere, schnellere, günstigere und bequemere Art zu ermöglichen. Dies ist umso lebensrettender, je professioneller die Zielgruppe ist. Beim Finanzexperten im Betrieb reicht es eben nicht mehr, die neuen Abschreibungsvorschriften „in Prosa“ zu predigen, da müssen schon geänderte AfA-Tabellen per Klick übernehmbar sein. Ein Anwalt wird für einen Kommentar zum neuen Insolvenzrecht weniger bezahlen – für den bloßen Gesetzestext natürlich gar nichts – als für eine (webbasierte) Software mit bereits eingearbeitetem Gläubigerschutzquoten (Geschäftsinsolvenz) bzw. Pfändungsfreigrenzen (Privatinsolvenz). Das heißt: Der Kunde erwartet möglichst ein Optimum an Leistung, denken Sie an unsere Floristin. Er will, wenn sein Problem schon nicht gelöst wird, zumindest bequem zur Lösung geführt werden. Das ist heute häufig ein gutes Stück machbar. Wir dürfen als Lösungsanbieter nur nicht auf einer niedrigeren Stufe stehen bleiben als es möglich ist. Den Kunden interessiert dabei die Technik nicht in erster Linie, meistens auch überhaupt nicht. Da wirkt unsere sorgsam gepflegte Branchenunterscheidung zwischen Medien und Software ziemlich lächerlich. „Wer hilft hat Recht“, muss unser (aus der Medizin leicht abgewandeltes) Motto lauten. Lösung ist allemal mehr wert als Info, denken Sie wieder an unsere Floristin: Was würden Sie denn sagen, wenn sie Ihnen die ganze Bindearbeit überlassen würde (das können Sie doch selbst …), oder wenn sie gar auf ein Buch (Gestecke binden leicht gemacht …) verweisen würde ? Da haben wir’s übrigens: Unsere Branche hat nie wirklich Lösungen geboten, sie hat nur immer Infos gebracht, im besten Falle Ratschläge. Wir reden nur davon, wir machen es nicht. Deswegen ist Software MehrWert. Software redet nicht nur, Software macht es.
Kundenlösungen – es ist nie zu spät
Warum ist es denn ein so schreckliches Versäumnis, wenn Sie nicht schleunigst auf den Solution-Zug aufspringen. Dienste sind nämlich – wie könnte es anders sein – wiederum dreigeteilt. Die herkömmlichen persönlich erbrachten Dienste wie Friseur, Taxi, Heilbehandlung etc. bilden den unteren Teil, die Rechts-, Steuer- und Wirtschafts-Dienstleistungen der Freiberufe den mittleren Teil, und – jetzt kommt’s – die automatisierten Dienste der Softwareanbieter den oberen Teil. Denn jedes Anwendungsprogramm enthält eine persönliche Dienstleistung, das kennen Sie von Word oder Excel, wo Gestaltungen oder Berechnungen automatisch nach unseren Eingabebefehlen ablaufen. Was früher der Mensch machte, macht jetzt die Maschine, am 1:1 Servicecharakter ändert das aber nichts. Der entscheidende Punkt ist deshalb: Softwareservice wird digital erbracht, ist also online lieferbar. Hier müssen Sie vom Stuhl aufspringen, auf dem Sie gerade sitzen, und zwar sowohl physisch, psychisch und auch geistig ! Online lieferbar, das heißt auch, wir können webbasiert Bezahldienste liefern. Das dürfen wir uns nicht entgehen lassen, wir haben ja auch das Informationsumfeld und die Fachkompetenz – und Orga-Dienste, siehe oben mein Formularbeispiel, gehören natürlich seit jeher zu unserem Lieferumfang. Oder wollen Sie Kunden, die Sie fragen, wie das gemacht wird, zur Konkurrenz schicken ? Völlig selbstverständlich: niemals ! Wieso aber haben wir dann in der Branche jahrzehntelang die Formular- und Softwareangebote ausgegrenzt und dem Wettbewerb überlassen ? Wenn wir unsere Leistungen auch künftig gegen Geld verkaufen wollen, dann können wir nicht mehr sagen: wir sind doch keine Softwareentwickler. Natürlich müssen sie es nicht selbst sein, wir sind ja auch selbst keine Druckerei. Anbieter und Hersteller – das sind zwei Paar Schuhe, eine Frage der „Fertigungstiefe“. Das Entscheidende dabei ist etwas anderes: Das Konzept ist es, das Ihnen keiner abnehmen kann. Konzeptionell müssen Sie Software denken können, machen müssen Sie sie nicht. Doch wer Software denken will, der muss auch etwas davon verstehen. Wie viel Softwareentwickler haben Sie im Haus, damit Sie zumindest die outgesourcte Herstellung richtig briefen können ?
3x3 Tipps & Tools
In den Anfängen des 3x3 wurde ich immer gefragt: wollen Sie denn wirklich behaupten, dass die linke Seite des Quadrats genauso wichtig sei wie die rechte; das Produktwissen sei doch das überragende, die Produktarbeit das eigentliche. Meine Antwort kennen Sie natürlich, sie ergibt sich ja schon aus der Symmetrie des 3x3 Quadrats, d.h. bereits das optische System gibt die rechte Gewichtung vor – im Gegensatz zu vielen anderen Markt- und Managementmodellen, für die jahrzehntelang die Analyse der Kundenprozesse ein Fremdwort war. Deshalb ist es schon eine große Hilfe, wenn Sie mit den 3x3 Kundenlösungen erarbeiten. Wer sie auf der Basis der Kundenprozesse mit dem 3x3 Quadrat konzipiert, der steht haushoch über den z.T. lächerlichen Aufsätzen „Wie Sie eine App oder Solution machen.“ Aber auch vieles andere können Sie gar nicht falsch machen, wenn Sie mit den 3x3 Tools arbeiten. Z.B. mit dem 3N-Tool, das meine Kunden alle auswendig können. Es gibt eben nicht nur Nachricht und Nähe als journalistische Genres, sondern vor allem auch Nutzen. Dazu arbeiten die 3x3 Anwender mit den „9 modernen Nutzensorten“, ein Kanon, den der Journalismus überhaupt nicht kennt, und bei dem die letzten beiden Sorten „Arbeitshilfen“ und „Komplettlösungen“ heißen. Das alles gibt’s übrigens seit (mindestens zwei, eher drei) Jahrzehnten, früher in Print, heute (auch) im Web erbracht. Heute gibt es natürlich ein Solution 3x3, eine Sammlung von typischen Kundenprozessen und (auch) eine App-Musterlösung für Nutzer- und Werbemärkte und viele weitere Tipps und Tools, die Sie alle in den folgenden 3x3 THEMENTAFELN finden. Die WorkFlowSolutions sind geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie Sie das 3x3 zu den attraktiven Lösungen führt. Denn kaum sonst ist der Spruch derart treffend: Es liegt am Konzept !
W. Ruf 09/2010
